Keynote am CTO Forum der Rudolf-Diesel-Medaille. Veranstaltet von Zühlke, München

Wir leben im KI-Hype-Zeitalter#
KI dominiert die Schlagzeilen. Von natürlichen Sprachschnittstellen bis zur automatisierten Codegenerierung ist das Entwicklungstempo unerbittlich. Doch neben der Begeisterung sehen wir auch überzogene Versprechungen, übereilte Implementierungen und enttäuschende Ergebnisse.
Allein im Jahr 2025 werden die globalen Investitionen in KI voraussichtlich eine Billion Dollar übersteigen. Die geschätzten Einnahmen betragen jedoch nur einen Bruchteil davon, etwa 120 Milliarden. Diese Lücke wird mit Annahmen über zukünftige Effizienzgewinne gefüllt, die alles andere als garantiert sind.
Das Muster ist bekannt. Wie bei der Dotcom-Blase im Jahr 2000 springen viele Organisationen heute auf den KI-Zug auf, ohne klare Strategie oder Wertschöpfung. Das Ergebnis ist eine sich abzeichnende Blase, die wir anerkennen müssen, bevor sie platzt.
KI allein ist nicht die Antwort#
KI ist ein leistungsstarkes Werkzeug. Aber sie kann weder kaputte Prozesse, veraltete Technologiestacks, fehlgeleitete Governance noch fragmentierte Organisationen reparieren.
Transformation entsteht nicht durch KI in Isolation. Sie entsteht durch kybernetisches Denken, durch den Aufbau adaptiver Systeme, in denen Prozess, Organisation, Technologie, Governance und KI in kontinuierlichen Feedbackschleifen zusammenwirken, um Wert zu schaffen.
Das ist die Grundlage des Cybernetic Enterprise.
Was ist ein Cybernetic Enterprise?#
Ein Cybernetic Enterprise ist ein sich selbst regulierendes, kontinuierlich weiterentwickelndes System. Es lernt durch Feedback, passt sich an Veränderungen an und richtet alle Komponenten, technische wie organisatorische, auf Geschäftsergebnisse aus.
Es zeichnet sich aus durch:
- Integriertes Feedback über alle Dimensionen hinweg
- Plattformbasierte Lieferung zur Reduzierung von Reibung und Steigerung der Standardisierung
- KI als Fähigkeit eingesetzt, eingebettet dort, wo sie klaren Mehrwert liefert
- Autonome Teams, die befähigt werden, ihre eigenen Produkte zu bauen und zu betreiben
Dieses Modell führt uns von fragmentierter Entwicklung zu unternehmensweiter Orchestrierung.
Von Custom Software zu industrialisierter Lieferung#
Die meisten Unternehmen entwickeln Software heute noch in isolierten Umgebungen: interne Teams, externe Anbieter, hybride Modelle. Das Ergebnis ist Komplexität, Inkonsistenz und Ineffizienz.
Wir betreten nun das Zeitalter der industrialisierten Softwarelieferung. So wie die Fertigung sich durch Standardisierung weiterentwickelt hat, muss auch die Software- und KI-Lieferung nachziehen.
- Standardisierung von Services, Infrastruktur und Tooling
- Reduzierung der kognitiven Last für Produktteams
- Automatisierung von Compliance, Sicherheit und Observability
- Schaffung gemeinsamer Entwicklungsumgebungen, die die Lieferung beschleunigen
Dieser Wandel ist bereits im Gange. Führende Organisationen investieren in kybernetische Plattformen als Rückgrat dieser Transformation.
Die kybernetische Plattform: Skalierbare, adaptive Teams ermöglichen#
Im Herzen des Cybernetic Enterprise steht die kybernetische Plattform, eine flexible Self-Service-Plattform, die die Fähigkeiten, Werkzeuge und Infrastruktur bereitstellt, die zum Bau moderner digitaler und cyber-physischer Produkte benötigt werden.
- Ein einheitliches Developer Portal (z.B. Backstage oder massgeschneidert)
- Automatisierte Bereitstellungs- und Deployment-Schichten
- Standardisierte Integration von Werkzeugen durch die Plattform, nicht zwischen ihnen
- Eingebaute Fähigkeiten für Observability, Sicherheit und Lifecycle Management
- KI als Service bereitgestellt, nicht als separates Silo
Diese Plattform ist kein zentraler Engpass. Sie ist ein Produkt an sich, gepflegt von einem dedizierten Team und gebaut, um autonome Produktteams in der gesamten Organisation zu unterstützen.
Praxisbeispiel bei Zühlke#
Bei Zühlke haben wir unsere eigene kybernetische Delivery-Plattform aufgebaut, um sowohl interne Projekte als auch Kundenprojekte zu unterstützen. Sie beschleunigt die Lieferung, verbessert die Konsistenz und dient als Blaupause für die Unternehmenstransformation.
- Standardisierung der digitalen Produktlieferung über verschiedene Branchen hinweg
- Unterstützung von Kunden, die keine internen Plattform-Fähigkeiten haben
- Wiederverwendung bewährter Komponenten und Services ermöglichen
- KI-Werkzeuge und Infrastruktur konsistent und gesteuert bereitstellen
Sie ist die Grundlage dafür, wie wir Kunden helfen, von Komplexität zu Klarheit zu gelangen.
Ein Aufruf an CTOs und digitale Führungskräfte#
CTOs und Technologieführer müssen jetzt über den Hype hinausgehen und sich auf nachhaltige, skalierbare, wertorientierte Grundlagen konzentrieren.
- KI strategisch einsetzen, nicht reaktiv
- Interne Plattformen aufbauen, die Teams befähigen
- Lieferung standardisieren, um Geschwindigkeit und Skalierung zu ermöglichen
- Feedback-getriebene Systeme schaffen, die sich kontinuierlich anpassen
Das Cybernetic Enterprise ist keine Theorie. Es ist ein Betriebsmodell, das bereits in der realen Welt Ergebnisse liefert.
Fazit: Die Zukunft ist kybernetisch#
Wir betreten eine neue Ära des Unternehmensdesigns, eine Ära, die KI, Governance, Organisation, Prozesse und Technologie in ein kohärentes, adaptives System integriert.
Die Zukunft wird nicht allein durch KI definiert, sondern durch jene, die verstehen, wie sie deren Rolle in einem grösseren System orchestrieren. Das Cybernetic Enterprise ist dieses System.
Jetzt ist die Zeit, von Experimenten zur Umsetzung überzugehen.
