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DevOps Meetup Zürich 2024: Developer Experience und Platform Engineering
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DevOps Meetup Zürich 2024: Developer Experience und Platform Engineering

Autor
Romano Roth
Ich bin überzeugt: Der nächste Wettbewerbsvorteil ist nicht AI selbst, sondern die Organisation drumherum. Als Chief AI Officer bei Zühlke arbeite ich mit C-Level-Führungskräften daran, Unternehmen zu bauen, die wahrnehmen, entscheiden und sich kontinuierlich anpassen. Seit über 20 Jahren mache ich diese Überzeugung zur Praxis.
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Dies ist eine Aufzeichnung meines Vortrags am DevOps Meetup Zürich vom Januar 2024. Der Vortrag behandelt Developer Experience und Platform Engineering: Warum Platform Engineering entstanden ist, wie es in das Digital-Factory-Konzept passt, und eine Live-Demo der Platform Plane, der internen Entwicklerplattform, die wir zusammen mit der LGT entwickelt haben.

Das Problem: Walls of Confusion
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In vielen Unternehmen sieht das Bild so aus: Das Business erstellt Anforderungen in Word-Dokumenten und Jira-Tickets und wirft sie über eine Wall of Confusion zur Entwicklung. Die Entwicklung implementiert etwas und wirft es über eine weitere Mauer zum Testing. Das Testing prüft es, und es geht über noch eine Mauer zum Betrieb. Der Betrieb kämpft damit, alles zum Laufen zu bringen, und das Endergebnis erreicht den Kunden oder das Business, die sagen: “Was ist das? Das wollten wir nicht.”

Die Ursache ist die Siloorganisation. Business, Entwicklung, Testing und Betrieb arbeiten alle in separaten Silos mit unterschiedlichen Zielen. Es gibt keine Abstimmung. Der Value Stream ist durch diese Walls of Confusion gebrochen. Und in einer solchen Umgebung zu arbeiten macht keinen Spass, die Developer Experience ist entsprechend niedrig.

DevOps ist ein Mindset, eine Kultur und ein Satz von technischen Praktiken, die uns erlauben, uns über den gesamten Value Stream hinweg zu organisieren, sodass alle Menschen gemeinsam an einem Produkt arbeiten, nicht an einem Projekt.

Ist DevOps tot? Das Problem der kognitiven Last
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Die Wissenschaft hat DevOps eingehend untersucht. Das Buch “Accelerate” und die State of DevOps Reports zeigen beeindruckende Zahlen: High Performer erreichen 973-mal mehr Deployments in Produktion als Low Performer. DevOps liefert schnellere Time to Market, mehr Wert für das Geld, höhere Qualität, höhere Kundenzufriedenheit und top qualifizierte Mitarbeitende.

Warum also die Artikel, die behaupten “DevOps ist tot” und “Platform Engineering ist der neue Trend”? Die Antwort liegt in der kognitiven Last. Wenn Teams “You build it, you run it” leben, brauchen sie Infrastruktur, Container-Runtimes, CI/CD-Pipelines, Monitoring, Security-Tooling, Kostenmanagement, Access und Identity, und sie müssen trotzdem noch Features implementieren. Multipliziert man das über mehrere Produkt-Teams, werden die Inkonsistenzen, Redundanzen und die Komplexität überwältigend.

Die Digital Factory: DevOps skalieren
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Die Lösung ist nicht, zur Silo-IT zurückzukehren. Die Lösung ist das Digital-Factory-Modell. Auf der obersten Ebene hat ein Verwaltungsrat eine Vision und ein Portfolio von Ideen. Das Produktmanagement bricht grosse Ideen in Features herunter. Produkt-Teams arbeiten agil und zerlegen Features in User Stories.

Wenn ein neues Team starten muss, stellt das Platform-Engineering-Team eine standardisierte CI/CD-Pipeline bereit, sodass das Team sofort mit der Wertschöpfung beginnen kann. Das gesamte System funktioniert nach den drei Wegen von DevOps: kontinuierlich schnell Wert liefern, Feedback zurückbekommen und kontinuierlich lernen.

Die Digital Factory hat vier Ebenen:

  1. Lean Portfolio Management verbindet Strategie mit Umsetzung
  2. Produktmanagement organisiert mehrere Teams, die an Produkten arbeiten
  3. Produkt-Teams praktizieren DevOps und verantworten ihre Produkte
  4. Platform-Team schafft die Grundlage, die den Teams DevOps ermöglicht

Platform Engineering im Detail
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Das Wichtigste am Platform Engineering: Das Platform-Team erstellt ein internes Produkt, das alle Tools enthält, die für die Produktentwicklung des Unternehmens benötigt werden. Dazu gehören Application Runtime, Developer-Experience-Tooling, Access und Identity, Observability und Monitoring sowie die CI/CD-Pipeline.

Eine entscheidende Unterscheidung: Das Platform-Team betreibt nicht die Produkte. Es befähigt die Teams, ihre eigenen Produkte zu betreiben. Die Produkt-Teams erstellen ihre eigenen CI/CD-Pipelines und Dashboards basierend auf der Plattform. Das Platform-Team generiert Wert für die Teams, und die Produkt-Teams generieren Wert für den Kunden.

Gartner sagt voraus, dass Platform Engineering einer der strategischen Technologietrends 2024 ist. Bis etwa 2027 prognostizieren sie, dass 75% der Organisationen ihre eigene DevOps-Plattform übernommen oder erstellt haben werden.

Die Platform Plane: Eine Live-Demo
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Letztes Jahr kam die LGT, eine Privatbank in Liechtenstein, zu Zühlke mit dem Wunsch, eine solche Plattform zu bauen. Sie wollten ein Co-Investment, um eine Plattform zu entwickeln und sie in einen Verein zu überführen, damit auch andere sie nutzen können. Zusammen bauten wir die Platform Plane und gründeten die Open Platform Plane Association.

Die Plattform umfasst:

  • Application Runtime mit Kubernetes as a Service, API Gateway und Service Mesh
  • Developer Experience mit einem Portal, CLI und Tunneling in Cluster
  • Automatisiertes DevSecOps mit Secret Detection, License Scanning und statischer Sicherheitsanalyse
  • Access und Identity mit Onboarding am Morgen und Offboarding am Abend, mit sofortiger Wirkung auf alle Tools
  • Zentralisierte Sicherheit mit Netzwerktrennung und Policy-Durchsetzung
  • Observability mit automatisch erstellten Dashboards und FinOps-Tracking
  • GitOps mit CI/CD-Pipelines, Repositories und Secret Management

In der Demo habe ich gezeigt, wie das Portal Tools wie GitLab, Kubernetes, Grafana, Argo CD und HashiCorp Vault über Adapter integriert. Dieses Adapter-Muster ist der Schlüssel: Es ermöglicht den Austausch jedes Tools bei Bedarf, solange es eine API hat.

Die Plattform scannt Repositories automatisch auf Sicherheitsprobleme, rotiert gefundene Secrets im Quellcode, erstellt Dokumentation und bietet Schwachstellenanalyse für Container-Images. Beim Hinzufügen einer neuen Anwendung wie Microsoft SQL Server wird alles vollständig standardisiert eingerichtet, inklusive Namensgebung, Passwörter, Dimensionierung, Dashboards und Observability-Integration.

Wir treten in das Zeitalter der Industrialisierung der Softwareentwicklung ein. Platform Engineering bildet die Grundlage eurer Digital Factory und ermöglicht euren Teams, DevOps zu machen.

Kernaussagen
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  • Walls of Confusion aus Siloorganisationen unterbrechen den Value Stream und zerstören die Developer Experience
  • DevOps ist nicht tot. Platform Engineering ermöglicht es Teams, DevOps zu machen, indem es die kognitive Last reduziert
  • Das Digital-Factory-Modell verbindet Strategie mit Umsetzung über Lean Portfolio Management, Produktmanagement, Produkt-Teams und ein Platform-Team
  • Das Platform-Team erstellt ein internes Produkt für andere Teams. Es betreibt nicht die Produkte.
  • Die Platform Plane zeigt, wie eine Enterprise-Entwicklerplattform in der Praxis aussieht, mit integriertem DevSecOps, Observability und Self-Service-Fähigkeiten
  • Bis 2027 prognostiziert Gartner, dass 75% der Organisationen ihre eigene DevOps-Plattform haben werden