Zum Hauptinhalt springen
Platform Engineering: Wie kontinuierlicher Wertfluss den Handel transformiert
  1. Blogs/

Platform Engineering: Wie kontinuierlicher Wertfluss den Handel transformiert

Autor
Romano Roth
Ich bin überzeugt: Der nächste Wettbewerbsvorteil ist nicht AI selbst, sondern die Organisation drumherum. Als Chief AI Officer bei Zühlke arbeite ich mit C-Level-Führungskräften daran, Unternehmen zu bauen, die wahrnehmen, entscheiden und sich kontinuierlich anpassen. Seit über 20 Jahren mache ich diese Überzeugung zur Praxis.
Frag die KI über diesen Artikel

Kontinuierlicher Wertfluss durch Platform Engineering. Was heisst das eigentlich? Im Zühlke Commerce Talk habe ich zusammen mit meinem Kollegen Dennis Kolmitz, Engagement Manager bei Zühlke und verantwortlich für unsere Commerce-Kunden, genau darüber gesprochen. Wir haben erkundet, warum Platform Engineering für Handelsunternehmen essenziell wird, die schneller innovieren, Reibungsverluste reduzieren und ihre besten Talente halten wollen.

Von Projekten zu Produkten
#

Das Konzept des kontinuierlichen Wertflusses kommt von einem fundamentalen Wandel: weg von Projekten, hin zu Produkten. Projekte haben einen Start- und einen Endpunkt. Aber Produkte, gerade im Retail-Bereich, brauchen kontinuierliche Updates. Die Kunden erwarten, dass die App besser, sicherer und funktionsreicher wird. Das erfordert Kontinuität.

Wenn Unternehmen im Projektmodus arbeiten, planen sie eine Mobile App oder einen Onlineshop, bauen ihn, und dann steht er einfach da. Es entsteht eine Lücke, bis das nächste Projekt startet. Teams werden umverteilt oder sogar entlassen. Wissen geht verloren. Wenn man es aber als Produkt behandelt, etabliert man einen Wertstrom, der kontinuierlich finanziert wird. Das Produkt entwickelt sich weiter, und das Team bleibt zusammen.

Was ist Platform Engineering?
#

Platform Engineering ist eine neue Disziplin, die entstanden ist, weil DevOps einen enormen kognitiven Load auf die Entwicklungsteams gebracht hat. Als die Teams anfingen, DevOps zu machen, mussten sie sich plötzlich auch um den Betrieb kümmern, um Logging, Monitoring und vieles mehr, zusätzlich zum Bauen von Features. Diese Überlastung ist der Ausgangspunkt für Platform Engineering.

Ein Platform-Engineering-Team baut eine Plattform, die Self-Service-Capabilities für die Entwicklungsteams anbietet. Braucht man eine CI/CD-Pipeline? Das Plattform-Team stellt sie bereit. Braucht man Authentisierung? Sie steht als Service zur Verfügung. Die Entwicklungsteams können sich auf Businessfunktionalitäten konzentrieren, statt Infrastruktur neu zu erfinden.

Platform Engineering ist nicht das Bauen eines kleinen internen Tools. Es ist eine strategische Entscheidung, die üblicherweise auf Geschäftsleitungsebene getroffen wird, um ein internes Produkt zu schaffen, dessen Kunden die Entwicklungsteams sind.

Der Business Case
#

Dennis brachte eine entscheidende Perspektive ein: den Business-Wert. Im Handel ist der Druck unerbittlich. Alles muss schneller, besser und günstiger sein. Die Margen sind eng. Die Spannung zwischen IT und Business ist real, und Platform Engineering kann helfen, sie zu lösen, indem Teams befähigt werden, schneller Wert zu liefern.

Wenn Teams enabled und empowered sind, beginnt sich der ständige Konflikt zwischen “das Business will mehr” und “die IT kann nicht schnell genug liefern” aufzulösen. Die Bedürfnisse aller Seiten werden effektiver adressiert.

War for Talent
#

Niemand will mit veralteten Technologien, veralteten Mindsets, veralteter Kultur oder veralteten Prozessen arbeiten. Wenn Talente heute in ein Unternehmen kommen, fragen sie, ob DevOps oder Platform Engineering praktiziert wird. Sie wollen nicht in einem Projekt arbeiten, wo alles nach dem Wasserfall läuft, wo es Siloorganisationen gibt, wo man Dinge über die “Wall of Confusion” wirft und Teams gegeneinander statt miteinander arbeiten. Das ist kein Umfeld, in dem jemand arbeiten will.

Platform Engineering schafft genau das moderne Arbeitsumfeld, das Talente anzieht und hält, sowohl auf der technischen als auch auf der Business-Seite.

Innovation durch Experimentieren
#

Einer der stärksten Vorteile eines produktbasierten Ansatzes mit Platform Engineering ist die Fähigkeit zu experimentieren. Das Management kann sagen: “Lasst uns etwas Neues ausprobieren.” Man bringt eine neue Idee in einen bestehenden Wertstrom ein, definiert Leading Indicators, um die Hypothese zu testen, bringt sie an den Markt und schaut, ob sie Anklang findet. Falls nicht, hört man einfach auf. Der Wertstrom ist ja bereits da, es gibt keine verschwendete Infrastruktur.

Diese Fähigkeit zum Experimentieren treibt Innovation und gibt sowohl technischen als auch Business-Teammitgliedern die Freiheit, kreative Ideen zum Leben zu bringen. Wie Dennis es formulierte: Wenn Menschen Dinge ausprobieren können, ist das erfüllend, weil sie ihre eigenen Ideen einbringen können.

Der Mindset Shift: Whole System Thinking
#

Wenn Unternehmen mit ihren Herausforderungen zu uns kommen, sagen sie oft Dinge wie “macht unsere Pipeline schneller” oder “wir müssen die Entwicklung beschleunigen.” Das kann man tun, aber man muss das Gesamtbild betrachten. Wir nennen das Whole System Thinking. Ein Wertstrom geht von der Idee bis in die Produktion und deckt ein gesamtes Produkt ab. Wenn man nur an einem Rädchen dreht, kann das einen positiven Effekt auf diese eine Komponente haben, aber einen negativen auf eine andere.

Deshalb starten wir immer mit einer Root-Cause-Analyse. Welches Problem wollen wir wirklich lösen? Und warum wollen wir es lösen? Der häufigste Treiber, den wir sehen: Die Teams können sich nicht mehr auf Businessfeatures konzentrieren, weil sie mit operativen Aufgaben überlastet sind. Genau dort wird Platform Engineering zur Lösung.

Platform Engineering ist eine Transformation
#

Eine wichtige Erkenntnis aus unserer Diskussion: Platform Engineering ist im Kern eine Transformation. Teams werden transformiert, weil bestimmte Verantwortlichkeiten zum Plattform-Team wandern. Eine Plattform wird aufgebaut, Services werden von verschiedenen Teams konsumiert, und die Arbeitsweise ändert sich fundamental.

Aber der entscheidende Punkt: Es ist kein Transformationsprojekt mit Start- und Enddatum. Es ist ein internes Produkt, ein interner Service. Es wird nie enden. Es entwickelt sich kontinuierlich weiter, wenn neue Technologien aufkommen, einschliesslich KI-Services, die das Plattform-Team bereitstellen kann, wie das Hosting von Large Language Models oder APIs, die andere Teams nutzen können.

Kernaussagen
#

  • Vom Projekt zum Produkt wechseln. Kontinuierlicher Wertfluss erfordert, Software als Produkt mit laufender Investition zu behandeln, nicht als Projekt mit festem Enddatum.
  • Platform Engineering reduziert die kognitive Last. Durch Self-Service-Capabilities werden Entwicklungsteams entlastet und können sich auf Businessfeatures konzentrieren.
  • Es ist ein strategisches Investment. Platform Engineering ist nichts, was man “einfach mal macht.” Es braucht Commitment auf Geschäftsleitungsebene und angemessene Finanzierung.
  • Das Plattform-Team baut ein internes Produkt. Man kann es sich als Produktentwicklung für die eigenen Teams vorstellen, mit einem Product Owner, der ständig fragt: “Was brauchen meine internen Kunden?”
  • Whole System Thinking ist essenziell. Nicht nur einen Teil optimieren, sondern den gesamten Wertstrom von der Idee bis zur Produktion betrachten.
  • Experimentieren treibt Innovation. Ein produktbasierter Ansatz macht es einfach, neue Ideen mit geringem Risiko zu testen.
  • Talentbindung zählt. Moderne Engineering-Praktiken schaffen das Umfeld, das Top-Talente erwarten.